Discoteche Riccione: notti, albe e colazioni
„Nachts ist es schöner und man lebt besser…“ , singt Lorenzo Jovanotti, und in der Tat scheint das Konzept hier Anklang gefunden zu haben. Fabelhafte tausendundeine Nacht in der Hochburg des Vergnügungskultes, natürlich in den fabelhaften Diskotheken. Dämonische, frenetische und postatomische Nächte. Nächtliche Aufführungen und Szenographien, von Kitsch über Cyber zu chamäleontischen Schauspielern, die jährlich treue und extasierte Massen zu Pilgerfahrten auf den Plan rufen. Aber auch untreue Exorzisten und „ Sezierer dieses Phänomens“, Soziologen oder Pseudosoziologen, die sich als Detektive verkleiden, um zu kontrollieren wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen. Um dann apokalyptische Theorien über die Jugend, oder schlimmer noch, über den Planeten aufzustellen. Die Nachtschwärmer hören es nicht, und wenn sie es hören, dann lachen sie darüber, denn es wenig Wahres und viel Märchen dran. Riccione –Rimini ist eine große Stadt auf dem Hügel. Je nach Tageszeit schwankt die Bevölkerung um ein paar Zehntausende. Die Monumente. Byblos, Cocoricò, Ecu, Paradiso, Pascià, Villa delle Rose, Prince. Das Klima: GLÜHEND HEIß
In der Umgebung: Es gibt eine Dependance mit überfülltem Strand und in Meeresnähe, während der ruhigen Tageszeiten der Sommermonate. Aber es handelt sich trotzdem um einen netten Ort, an dem man gegen sieben Uhr morgens, vor dem Schlafengehen, sein Frühstück einnehmen kann. Nachmittags kann man dann in der Viale Ceccarini, der Hauptstraße des Meeresviertels von Riccione, Cappuccino trinken und shoppen gehen. Es gibt wenig Zufallstouristen aber viele und treue Stammgäste. Ein Besuch ist einfach obligatorisch. Wir raten Ihnen folgende Tageszeit: Von ein Uhr bis sechs Uhr morgens, pardon, wir wollten nachts sagen. In den Diskotheken von Riccione-Rimini sind Verkleidungen die Regel, besser gesagt das Gesetz, denn sie verändern sich in jeder Saison und diktieren die Mode: Ein Theater, in dem die nächtliche Bevölkerung den Look wechselt um sich trendig auf der Bühne zu präsentieren. Verrückt? Nein, das Jahr achtundsechzig liegt weit zurück, und die Menschen um die Jahrhundertwende tun so als ob… . Das ist einfacher, man muss sich nur den richtigen Freiraum wählen. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Jedem das Seine. Die Maßlosigkeit ist auf dem Hügel von Riccione zuhause. Die Straße in Richtung Transgression kann man mit dem Auto oder mit der Blue Line Linie befahren, die Buslinie für die Nachschwärmer. Man braucht viel Geduld, das Schlangenstehen ist wie zur Rushhour in Rom. Und alles ereignet sich im Umkreis von wenig mehr als einem Kilometer. Ankunft am „Peter Pan“, einem enormen historischen Lokal, das opulent in dominierender Lage auf dem Hügel steht und gerade saniert wird.. Und am „ Pascià“ und „Prinz“, die sich sehr nahe liegen und viele Gemeinsamkeiten besitzen. Technomusic, mit ethnischem Touch und Fibrillationsvolumen, große Räume in postmodernen, leicht islamischen Stil das Erste, etwas Käfig und etwas Zirkus das Zweite. Aber die Nachtschwärmer kümmern sich nicht um die Architektur: Verschwitzt, mit glasigen Augen und offenem Mund werden sie von ihnen hypnotisiert, von den Cube Girls, Barbies aller Rassen, die augenzwinkernd die Hüften schwingen. Ein Big-bang für die erotischen Träume des durchschnittlichen italienischen Jugendlichen: Ein Jubeln der „Wonderbra“ und Lingerie, vom zarten Blümchenlook, Blumen im Haar, High-Heels ( wie man nur mit diesen Nachtkästchen an den Füßen tanzen kann?), Nylonmorgenröcke mit dem Liebreiz einer Hausfrau aus dem Midwest. Vielleicht weil die Barbies begehrter sind als Claudia Schiffer und 500 Euro pro Nacht für das Tanzen verdienen. Die Jüngsten sind im „Ecu“ wie European Club Underground, aber auch wie „Maßeinheit zur Messung des Vergnügens“ zu Hause. Kein Luxus: Das Lokal ist ein alter Bauernhof, der aber mit Schäferdichtung nichts mehr gemein hat, „bösartig“, sauer wie der Dj der aggressive Musik auflegt. Die ehemalige Tenne ist zum „Metallischen Garten der Wünsche“ mit eiskalten Aluminium- und Kristallbäumen umgewandelt worden. Wünsche? Ihre Maßeinheit könnte die gelungene Feier an Mariaë Himmelfahrt sein, die mit einer katatonischen Performance der
„ Mutoid Waste Company“ und mit ihren echten Feuerwerfern ausgeklungen ist.
Die legendären Feste sind aber die Prärogative des „ Byblos“. Die trendige Diskothek ist aus einer fabelhaften mediterranen Villa mit weißer Kollonade, die einst Kashoggi gehörte, entstanden.
Auf seinen Namen gehen Riesenfeten, die in die Annalen der verrücktesten Vergnügen eingegangen sind. Wie z.B die Nacht des Bybloscar, die den besten Dj’s und Lokalen der Küste Preise verleiht. Oder die berühmte Feier an Mariaë Himmelfahrt, an der ein Hubschrauber Millionen falscher Dollarnoten vom Himmel regnen ließen. Damit das Fest aufregender werden konnte, befanden sich inmitten der falschen, etwa tausend echte Dollarscheine.
Man muss aber betonen, dass die zügellosen Feste Wohltätigkeitsfeste sind: Feiern um finanzielle Mittel für Aidskranke oder die bosnischen Kinder zu sammeln….!
Tanzend, tanzend erreicht man das Cocoricò. Roberto d’Agostino hat es folgendermaßen definiert: << Das Cocoricò ist eine Diskothek, wie der elektrische Stuhl ein Stuhl ist>>. Cocoricò, Teufel und Muse, der Superlativ der Modevorschau: Jedes Jahr ist Jean-Paul Gaultier Stammgast. Bösartige Zungen behaupten, dass er auf diese Weise den Katwalk seiner Frühjahrskollektion noch vor seiner Schöpfung zur Verfügung hat. Die Menschen ziehen Kleider an, die auch die waghalsigsten Vorstellungen überschreiten, und es überrascht dass sie es nicht tun um sich zu differenzieren sondern um sich mit den Anderen zu uniformieren. Homologation der Transgression.
Noch geräuschvoller des Karnevals von Rio, oder beunruhigender als ein Gruselfilm von Dario Argento, ist das Lokal, das die Macht hat nie sich selbst zu sein.
Wie die chinesischen Schachteln, hat sie drei Diskotheken, eine im Innern der Anderen. Die erste befindet sich unter einer Glaspyramide, ähnlich dem Louvre, in der Techno-Trance-Hardcore-Noten und stroboskopische, atomkriegsähnliche Lichtreflexe hämmern (man übersteht fünf Minuten, dann kollabiert man oder man unterschreibt eine Bittschrift für die Genehmigung harter Drogen); die Zweite - der Privatclub „Titilla“- hier entfesseln sich den Transvestiten Undergroundrhythmen, die auch Priscilla, die Königin der Wüste vor Neid erblassen lassen würden.; die Dritte – die „Cure for Pain“- nach einer sehr harten Selektion, wird man zugelassen und kann sich bei Ambientmusik entspannen. Das Nachtvolk benötigt greifbare Suggustionen.
Bei Sonnenaufgang, wenn man gerade aus der Diskothek kommt, kann man im „Tatoo“ von Ricccione, dem Treffpunkt des unermüdlichen Nachtvolkes eine Kleinigkeit essen oder ein paar Worte austauschen. In der Viale Tasso 2, neben dem Kanalhafen der Nordseite- Telefon 0541/648358
Eine Nacht auf dem Hügel von Riccione-Rimini kostet ungefähr 100 Euro für zwei Eintritte mit Parkplatz, Imbiss, Unterkunft und Benzin.



